
Brennende, gerötete oder einfach nur müde wirkende Augen kennen viele Menschen vor allem aus dem Büro, vom Winterabend zu Hause oder von der letzten Flugreise. Was auf den ersten Blick wie eine Kleinigkeit erscheint, hat oft eine ganz konkrete Ursache: Die Luft um uns herum entzieht dem Tränenfilm kontinuierlich Feuchtigkeit, ohne dass wir es bewusst bemerken. Gerade Kontaktlinsenträger spüren diesen Effekt besonders deutlich, weil die Linse selbst zusätzliche Feuchtigkeit benötigt, um angenehm auf dem Auge zu liegen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche alltäglichen Umwelteinflüsse Ihren Augen am meisten zusetzen und mit welchen einfachen Maßnahmen und Produkten Sie gegensteuern können.
Klimaanlage: Kühle Luft mit trockenem Nebeneffekt
Ob im Büro, im Auto oder im Supermarkt, Klimaanlagen sorgen im Sommer für angenehme Temperaturen, senken dabei aber gleichzeitig die relative Luftfeuchtigkeit im Raum spürbar ab. Technisch entsteht dieser Effekt, weil die Kühlung der Luft über einen Verdampfer läuft, an dem Wasserdampf kondensiert und dem Raum entzogen wird.
Für den Tränenfilm bedeutet das eine doppelte Belastung. Zum einen verdunstet die wässrige Schicht des Tränenfilms in trockener Umgebungsluft schneller, zum anderen sinkt gleichzeitig die natürliche Blinzelfrequenz, wenn wir konzentriert am Bildschirm arbeiten. Diese Kombination führt bei vielen Menschen zu einem Gefühl von Sandkörnern im Auge, das im Laufe des Tages spürbar zunimmt.
Was im Büroalltag wirklich hilft
Wer viele Stunden in Klimaanlagenluft verbringt, profitiert von regelmäßigen Benetzungstropfen mit Hyaluronsäure, die den Tränenfilm stabilisieren und länger auf der Augenoberfläche verbleiben als klassische wässrige Tropfen. Für Kontaktlinsenträger empfehlen sich zudem Linsen mit hohem Wassergehalt oder speziellen Feuchtigkeitsmatrices, da diese der Austrocknung durch klimatisierte Luft besser standhalten.
Da beim Bildschirmarbeiten nicht nur seltener, sondern oft auch unvollständig geblinzelt wird, hilft es, alle 20 Minuten bewusst ein paar Mal ganz vollständig zu blinzeln. Das gleicht die halbherzigen automatischen Lidschläge aus und verteilt den Tränenfilm gleichmäßig neu.
Heizungsluft: Der unterschätzte Wintergegner
Im Winter verschiebt sich das Problem, ohne kleiner zu werden. Beheizte Räume erreichen häufig eine relative Luftfeuchtigkeit von deutlich unter dreißig Prozent, während ein angenehmes Raumklima für Augen und Schleimhäute eher bei vierzig bis sechzig Prozent liegt. Heizkörper erwärmen die Luft, ohne ihr zusätzliche Feuchtigkeit zuzuführen, wodurch die relative Luftfeuchte trotz gleichbleibender absoluter Wassermenge rechnerisch sinkt. Wer den ganzen Tag in beheizten Büros oder Wohnräumen verbringt, riskiert dadurch nicht nur trockene Haut, sondern auch eine dauerhafte Reizung der Augenoberfläche, die sich häufig erst am Abend als brennendes oder müdes Gefühl bemerkbar macht.
Kleine Anpassungen mit großer Wirkung
Ein einfacher Luftbefeuchter im Schlaf- oder Arbeitszimmer kann die Luftfeuchtigkeit spürbar anheben und damit indirekt auch die Augen entlasten. Ergänzend lohnt sich abends der Griff zu pflegenden Augentropfen oder einem Augengel, das über Nacht einwirkt und die Regeneration des Tränenfilms unterstützt.
Kontaktlinsenträger sollten in der Heizperiode besonders auf die empfohlene Tragedauer achten und im Zweifel eher zur Brille wechseln, wenn die Augen bereits gereizt wirken, denn eine überstrapazierte Augenoberfläche braucht Erholung, bevor sie die nächste Linse wieder gut verträgt.
Zugluft: Wenn Wind direkt auf das Auge trifft
Anders als Klimaanlage oder Heizung wirkt Zugluft nicht über die allgemeine Luftfeuchtigkeit, sondern durch die direkte mechanische Beschleunigung der Tränenfilmverdunstung. Trifft ein Luftzug frontal auf das offene Auge, etwa beim Fahrradfahren, am offenen Autofenster oder direkt vor einem Ventilator, verdunstet die oberste Lipidschicht des Tränenfilms deutlich schneller als unter ruhigen Bedingungen. Diese Lipidschicht hat eigentlich die Aufgabe, die darunterliegende wässrige Schicht vor genau dieser Verdunstung zu schützen, wird bei starker Zugluft aber regelrecht weggeblasen. Besonders empfindlich reagieren hier Menschen, die aufgrund ihres Alters, hormoneller Veränderungen, bestimmter Medikamente oder Erkrankungen wie dem Sjögren-Syndrom ohnehin schon eine reduzierte Tränenproduktion haben.
Schutz vor Wind im Alltag
Eine eng anliegende Sportbrille mit umschließenden, gebogenen Gläsern reduziert die direkte Anströmung der Augen erheblich und eignet sich hervorragend für Rad- oder Autofahrten. Wichtig ist dabei die Passform: Sitzt die Brille zu locker oder zu weit vom Gesicht entfernt, kann der Wind hinter dem Glas verwirbeln und die Augen zusätzlich austrocknen statt sie zu schützen.
Für besonders windempfindliche Kontaktlinsenträger bieten sich Tageslinsen an, da eine frische Linse ohne Ablagerungen grundsätzlich benetzungsfreundlicher ist als eine bereits mehrere Stunden getragene. In akuten Situationen schaffen befeuchtende Tropfen mit langanhaltender Wirkung schnelle Linderung, wenn die Augen nach einem windigen Spaziergang oder einer Fahrradtour spürbar gereizt sind.
Zug und Flugzeug: Reisen als Extrembelastung für die Augen
Kaum eine Alltagssituation setzt den Augen so stark zu wie eine längere Zug- oder Flugreise, auch wenn viele Reisende diesen Zusammenhang gar nicht auf dem Schirm haben. In Flugzeugkabinen liegt die relative Luftfeuchtigkeit häufig bei nur zehn bis zwanzig Prozent, ein Wert, der selbst trockene Wüstenregionen in vielen Fällen unterbietet. Verantwortlich dafür ist die in großer Höhe angesaugte und komprimierte Außenluft, die technisch bedingt kaum Feuchtigkeit enthält und aus Gewichts- sowie Effizienzgründen in der Kabine nicht künstlich befeuchtet wird.
Auch in klimatisierten Zugwagen sinkt die Luftfeuchtigkeit spürbar unter den gewohnten Innenraumwert, wenn auch meist nicht ganz so drastisch wie im Flugzeug. Hinzu kommt, dass viele Reisende während der Fahrt oder des Flugs auf Bildschirme schauen, lesen oder schlafen, wodurch die Blinzelfrequenz zusätzlich sinkt und der Tränenfilm noch weniger Gelegenheit zur Erneuerung bekommt.
Gut vorbereitet auf Reisen
Für längere Flüge empfiehlt sich der Griff zu befeuchtenden Augentropfen im Reiseformat, die sich einfach aus der Handtasche oder dem Handgepäck holen lassen und den Tränenfilm während des Flugs mehrfach auffrischen. Kontaktlinsenträger sollten bei Langstreckenflügen über sechs Stunden ernsthaft in Erwägung ziehen, während des Flugs auf die Brille umzusteigen, da die extrem trockene Kabinenluft die Linse regelrecht austrocknen und das Tragegefühl deutlich verschlechtern kann. Wer dennoch auf Kontaktlinsen setzen möchte, ist mit formstabilen Tageslinsen und einem kleinen Fläschchen Nachbenetzungstropfen gut beraten. Ergänzend hilft es, während der Reise ausreichend zu trinken, da eine allgemeine Dehydrierung des Körpers auch die Tränenproduktion zusätzlich einschränkt.
Der richtige Umgang mit trockenen Augen im Alltag
Die beschriebenen Einflüsse lassen sich selten komplett vermeiden, wohl aber gezielt abfedern. Wer regelmäßig unter mehreren dieser Belastungen leidet, etwa im klimatisierten Büro arbeitet und zusätzlich häufig fliegt, profitiert von einer festen Routine aus Benetzungstropfen, bewusstem Blinzeln und einer an die Situation angepassten Wahl zwischen Kontaktlinse und Brille. Halten die Beschwerden trotz dieser Maßnahmen über mehrere Tage an oder verstärken sich Rötung und Schmerzempfinden deutlich, ist der Besuch bei einem Augenarzt oder Optiker sinnvoll, um andere Ursachen wie eine Blepharitis oder eine gestörte Meibomdrüsenfunktion auszuschließen. Mit dem passenden Sortiment an Augentropfen, Pflegeprodukten und Linsentypen lassen sich die typischen Alltagsbelastungen für die Augen jedoch in den meisten Fällen deutlich abmildern.