
Wer in den Bergen unterwegs ist, denkt an gutes Schuhwerk, Sonnencreme und ausreichend Wasser. Was dabei oft vergessen wird: Die Augen sind in großen Höhen einer ganz anderen Belastung ausgesetzt als im Alltag unten im Tal. Wer Kontaktlinsen trägt und eine Bergtour plant, sollte ein paar wichtige Dinge wissen, denn die richtige Vorbereitung schützt vor Schäden, die man im schlimmsten Fall erst bemerkt, wenn es zu spät ist.
Was die Höhe mit den Augen macht
Die Atmosphäre der Erde funktioniert wie ein natürlicher Schutzschirm. Sie filtert einen großen Teil der UV-Strahlung der Sonne heraus, bevor diese die Erdoberfläche erreicht. Mit jedem Höhenmeter wird diese Schutzwirkung geringer. Auf 3.000 Metern ist die UV-Belastung je nach Bedingungen um bis zu 25 Prozent höher als auf Meeresniveau. Auf einem Gletscher oder bei Schnee kommt noch die Reflexion hinzu: Frischer Schnee reflektiert bis zu 80 Prozent der UV-Strahlung und sorgt damit für eine Belastung von oben und unten gleichzeitig.
Das Tückische daran ist, dass man die Augen dabei kaum spürt. Anders als auf der Haut, wo Sonnenbrand relativ schnell bemerkbar wird, reagieren die Augen mit Verzögerung. Die sogenannte Photokeratitis, umgangssprachlich als Schneeblindheit bekannt, macht sich oft erst Stunden nach der Exposition durch brennende Schmerzen, Lichtempfindlichkeit und tränende Augen bemerkbar. In schweren Fällen verschwimmt die Sicht oder setzt kurzzeitig ganz aus. Noch ernster sind langfristige Schäden an der Netzhaut, die schleichend entstehen und sich nicht ohne weiteres rückgängig machen lassen.
Kontaktlinsen im Hochgebirge: Was zu beachten ist
Kontaktlinsen und Bergurlaub schließen sich keineswegs aus. Wer auf seine Linsen angewiesen ist oder sie schlicht bevorzugt, muss nur ein paar Dinge im Blick behalten. Das fängt bei der Trockenheit an. In großen Höhen ist die Luft merklich trockener als im Tal, was den Tränenfilm belastet. Kontaktlinsen können dadurch schneller austrocknen, was sich als Fremdkörpergefühl, Brennen oder verschwommene Sicht äußert. Wer das kennt, sollte Benetzungstropfen einpacken, die mit der eigenen Linse verträglich sind.
Tageslinsen haben im Gebirge einen praktischen Vorteil: Sie werden täglich gewechselt, was die Frage der Hygiene auf Hütten oder langen Touren erheblich vereinfacht. Wer keine saubere Möglichkeit hat, Linsen zu reinigen und zu lagern, ist mit Tageslinsen deutlich flexibler. Wochen-Kontaktlinsen oder Monatslinsen wiederum sind eine Option für längere Aufenthalte, sofern die Pflege gewährleistet ist. In jedem Fall gehört eine Reservebrille ins Gepäck, als Backup für den Fall, dass eine Linse verloren geht oder nicht mehr vertragen wird.
UV-Schutz: Sonnenbrille allein reicht manchmal nicht
Eine gute Sonnenbrille ist in den Bergen unverzichtbar. Sie sollte die Kategorie S3 oder S4 erfüllen, also mindestens 82 bis 97 Prozent der UV-Strahlung blockieren. Für Gletscher und hochalpines Gelände empfiehlt sich Kategorie S4. Wichtig ist dabei auch der Rahmen: Schmale Sportbrillen mit seitlichem Schutz oder eng anliegende Gletscherbrillen schirmen die Augen rundherum ab, was bei normalen Brillenformen oft nicht der Fall ist. Seitlich einfallende Strahlung ist nämlich alles andere als vernachlässigbar.
Was viele nicht wissen: Es gibt bereits eine Reihe von Kontaktlinsen mit UV-Schutz. Einige Modelle, darunter verschiedene Tages- und Monatslinsen, sind mit einem UV-Filter ausgestattet und blockieren einen Teil der schädlichen Strahlung noch bevor sie die Augenlinse und Netzhaut erreicht. Das ersetzt die Sonnenbrille nicht, ist aber eine sinnvolle zweite Schutzebene.
Pflege und Logistik auf der Tour
Wer mehrere Tage in den Bergen verbringt, sollte die Linsenpflege von vornherein einplanen. Pflegemittel gibt es in Reisegrößen, die im Rucksack kaum Platz wegnehmen. Auf Hütten mit eingeschränkten Hygienestandards empfiehlt sich Wasserstoffperoxidlösung, da sie besonders gründlich reinigt und desinfiziert. Alternativ sind Einmallinsen schlicht die einfachste Lösung: einmal tragen, abends entsorgen, fertig.
Für längere Touren in extremen Bedingungen, etwa Hochtouren mit Übernachtung im Zelt oder auf einfachen Biwakschachteln, lohnt es sich außerdem, die Linsen abends frühzeitig herauszunehmen und auf die Brille zu wechseln. Sowohl die trockene Luft als auch der Wind in großen Höhen belasten den Tränenfilm stärker als gewohnt, und ausgeruhte Augen sind am nächsten Morgen schlicht leistungsfähiger.
Tipps auf einen Blick
- UV-Schutz
Sonnenbrille der Kategorie S3 oder S4 wählen, auf alpinem Gelände und Gletschern zwingend. Modelle mit seitlichem Schutz oder Gletscherbrille bevorzugen. Kontaktlinsen mit integriertem UV-Filter als zusätzliche Schutzebene in Betracht ziehen. - Feuchtigkeit
Verträgliche Benetzungstropfen einpacken und bei trockener Luft regelmäßig verwenden. Bei anhaltenden Beschwerden lieber früher auf die Brille wechseln. - Hygiene und Logistik
Tageslinsen für kurze Touren bevorzugen: kein Reinigungsaufwand, maximale Flexibilität. Bei mehrtägigen Aufenthalten Pflegemittel in Reisegröße mitnehmen. Reservebrille immer dabei haben. - Schneeblindheit vermeiden
Augen nie ohne Schutz intensiver Sonneneinstrahlung aussetzen, auch nicht bei bewölktem Himmel. Schnee und Eis reflektieren UV-Strahlung stark, selbst wenn die Sonne nicht direkt scheint. - Beschwerden
Bei anhaltenden Augenbeschwerden nach der Tour einen Augenarzt aufsuchen. Schäden an der Netzhaut durch UV-Strahlung sind nicht immer sofort spürbar.