
Im Netz kursieren Videos, Bücher und Kurse, die versprechen Kurzsichtigkeit zu heilen. Stichwort „Vergiss deine Brille“. Ein paar Übungen Augen-Yoga am Tag, und die Ferne wird wieder scharf. Klingt verlockend, zumal Kurzsichtigkeit zu den häufigsten Sehfehlern überhaupt zählt. Doch was ist dran an diesem Versprechen? Wir zeigen Ihnen, was Augentraining leisten kann und was nicht.
Warum wird man kurzsichtig?
Bei einem normalsichtigen Auge bündelt sich das Licht genau auf der Netzhaut. Bei Kurzsichtigkeit, medizinisch Myopie genannt, entsteht das scharfe Bild schon davor. Meist ist der Augapfel schlicht zu lang gewachsen, und wenige Millimeter genügen, damit ein Straßenschild auf 20 Metern verschwimmt. Diese Bauform lässt sich durch Übungen nicht verkürzen, genauso wenig wie Gymnastik einen Knochen verkleinert. Die Augenmuskeln helfen zwar beim Scharfstellen, für die Grundform sind sie aber nicht zuständig. Auch die populären Methoden nach dem Augenarzt William Bates, der vor über hundert Jahren Verspannung als Ursache vermutete, konnten bis heute keine dauerhafte Besserung belegen.
Aber die Übungen wirken doch!
Trotz allem berichten Menschen immer wieder, nach einigen Wochen besser zu sehen. Dafür gibt es zwei plausible Erklärungen.
1. Der Gewöhnungseffekt im Gehirn
Wer regelmäßig unscharfe Konturen zu erkennen versucht, wird darin geschickter. Das Gehirn füllt Lücken und erkennt Muster schneller. Der Sehfehler bleibt dabei unverändert, er wird lediglich besser ausgeglichen. Bei der Sehtafel kann das zu einem besseren Ergebnis führen, ohne dass sich die Dioptrien verändern.
2. Pseudomyopie durch Dauerstress
Wer stundenlang auf Bildschirm oder Smartphone schaut, kann den Ziliarmuskel regelrecht verkrampfen. Er krümmt die Linse für die Nähe, und wenn er nicht mehr loslässt, wirkt die Ferne vorübergehend unscharf. Fachleute nennen das Pseudomyopie. Nach Pausen und Blicken in die Weite kehrt die Schärfe zurück, was sich wie ein Trainingserfolg anfühlt, tatsächlich aber nur die Rückkehr zum Normalzustand ist.
Was können Augenübungen wirklich leisten?
Nutzlos sind sie deshalb nicht, sie helfen bloß bei etwas anderem. Gegen müde, brennende und trockene Augen lässt sich einiges tun. Bewährt hat sich die 20-20-20-Regel: Schauen Sie alle 20 Minuten für 20 Sekunden auf etwas, das rund 20 Meter entfernt ist. Ein Blick aus dem Fenster reicht. Außerdem sinkt beim konzentrierten Arbeiten die Lidschlagfrequenz oft auf die Hälfte, die Augenoberfläche trocknet aus. Wer bewusst blinzelt, versorgt sie mit Feuchtigkeit, und Benetzungstropfen unterstützen das zusätzlich, gerade wenn Sie Kontaktlinsen tragen. Ihre Dioptrien ändert das nicht, den Alltag macht es aber spürbar angenehmer.
Was das Fortschreiten bremsen kann
Lässt sich wenigstens die Zunahme aufhalten? Bei Kindern und Jugendlichen, deren Augen noch wachsen, ist das tatsächlich möglich. Am besten belegt ist der Aufenthalt im Freien, denn wer täglich mehrere Stunden draußen spielt, wird laut Studien seltener kurzsichtig. Dazu kommen Kontaktlinsen mit speziellem Optikdesign, nachts getragene Ortho-K-Linsen und niedrig dosierte Atropin-Tropfen. Keine Methode stoppt die Entwicklung komplett, aber sie kann sie spürbar abbremsen. Solche Lösungen gehören in die Hand von Augenarzt oder Kontaktlinsenanpasser.
Brille, Kontaktlinsen oder Laser
Wer bereits kurzsichtig ist, hat heute mehrere Wege zum scharfen Sehen.
Die Brille als Klassiker
Sie ist unkompliziert und gut verträglich. Bei höheren Werten verkleinern die Gläser die Welt jedoch optisch, der Rahmen schränkt das Blickfeld ein, und bei Regen oder Sport kann sie lästig werden.
Kontaktlinsen als flexible Alternative
Sie bieten ein natürliches, ungehindertes Blickfeld. Tageslinsen sind besonders bequem: morgens einsetzen, abends entsorgen, fertig. Monatslinsen sind wirtschaftlicher, verlangen aber ein konsequentes Pflegeritual mit Kontaktlinsenflüssigkeit. Bei Hornhautverkrümmung gibt es torische Linsen, bei beginnender Altersweitsichtigkeit Multifokallinsen.
Laser und Operationen
LASIK oder SMILE formen die Hornhaut dauerhaft um und können die Abhängigkeit von Sehhilfen deutlich verringern. Den zu langen Augapfel beheben sie nicht und nicht jedes Auge eignet sich dafür. Eine gründliche Voruntersuchung ist Pflicht.
Unser Fazit: Trainieren ja, aber mit realistischen Erwartungen
Kurzsichtigkeit lässt sich nicht wegtrainieren, weil sie in der Bauform des Auges begründet liegt. Augenübungen bleiben trotzdem sinnvoll, denn sie entlasten bei Bildschirmarbeit und sorgen für entspannteres Sehen. Für die Schärfe brauchen Sie eine passende Sehhilfe.
Wenn Sie sich für Kontaktlinsen interessieren, stöbern Sie gern in unserem Sortiment an Tageslinsen und Monatslinsen für Kurzsichtige. Passende Pflegemittel und Benetzungstropfen für müde Augen finden Sie ebenfalls bei uns.