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Werden wir kurzsichtiger?

Jugendliche Brillenträgerin

Schlagzeilen über eine „Myopie-Epidemie“ gibt es seit Jahren, mal mit Bezug auf Ostasien, mal auf Smartphones oder Jugendliche. Da fragt man sich zu Recht, ob unsere Augen wirklich schlechter werden. Die Antwort fällt differenzierter aus als die Überschriften. Weltweit steigt die Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen deutlich, aber in Deutschland sieht das Bild bisher stabiler aus. Wir haben uns die Studienlage angeschaut.

Kurzsichtigkeit, nicht „schlechtes Sehen“

Die meisten Studien beschäftigen sich mit Myopie, also der Kurzsichtigkeit. Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Altersweitsichtigkeit stehen dabei auf einem anderen Blatt. Die Aussage „Unsere Augen werden insgesamt schlechter“ ist deshalb zu pauschal.

Weltweit nimmt die Kurzsichtigkeit zu

Eine Metaanalyse mit 276 Studien, rund 5,4 Millionen Teilnehmern und Daten aus 50 Ländern hat die Häufigkeit von Kurzsichtigkeit bei Kindern und Jugendlichen zwischen 1990 und 2023 untersucht. Sie kommt auf einen Anstieg von 24,3 auf 35,8 Prozent. Das ist ein deutliches Plus, aber mit Einschränkung: Die Zahlen stammen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen und nicht aus einer durchgehenden weltweiten Messreihe. Zwischen den Regionen gibt es große Unterschiede. Besonders hohe Werte werden in Ostasien beobachtet, die sich aber nicht auf Deutschland übertragen lassen. Auch die Prognose von etwa 40 Prozent betroffenen Kindern und Jugendlichen bis 2050 ist eine Modellrechnung und kein feststehender Verlauf.

Die Lage in Deutschland bleibt stabil

Für Deutschland zeigt die KiGGS-Studie ein überraschend ruhiges Bild. Dabei wurden Eltern befragt, ob ein Arzt eine Fehlsichtigkeit bei ihrem Kind (bis 17 Jahre) festgestellt hat. Bei diesen lag die erfasste Kurzsichtigkeit 2003 bis 2006 bei 11,6 Prozent und 2014 bis 2017 bei 11,4 Prozent. Die Einschränkung: Die Zahlen beruhen auf den Angaben der Eltern und nicht auf einheitlichen augenärztlichen Messungen, weswegen unerkannte Fälle natürlich nicht berücksichtigt sind. Allerdings ändert das nichts am Trend.

Eine Auswertung von 2026 stützt dieses Bild. Sie hat rund 1,25 Millionen Brillenverordnungen von etwa 438.000 Personen aus den Jahren 2001 bis 2025 untersucht. Weder wurden die verordneten Gläser über die Jahre stärker, noch beschleunigte sich das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit.

Der Einfluss von Bildschirmzeit

Die Frage, welchen Anteil Handy und Tablet an der Kurzsichtigkeit haben, ist heiß diskutiert. Eine Metaanalyse mit 45 Studien und über 335.000 Teilnehmenden fand, dass pro zusätzlicher Bildschirmstunde am Tag sich die Wahrscheinlichkeit für Kurzsichtigkeit um 21 Prozent erhöht. Das heißt aber auch, dass sich bei Naharbeit, weniger Zeit im Freien und weitere Faktoren lassen sich schwer voneinander trennen.

Besser belegt ist die Gegenseite: Mehr Zeit draußen wirkt der Entstehung von Kurzsichtigkeit entgegen. Dafür sprechen nicht nur Beobachtungsstudien, sondern auch randomisierte Interventionsstudien an Schulen. Das ist keine Wunderwaffe, aber ein einfacher Hebel, den Familien selbst in der Hand haben.

Was bedeutet das für mich?

Sind Sie bereits kurzsichtig, ändert sich durch diese Debatte erst mal wenig. Die passende Korrektur sind Kontaktlinsen für Kurzsichtigkeit, bei empfindlichen Augen oder viel Bildschirmarbeit gern als Tageslinsen oder als Monatslinsen mit passenden Pflegemitteln. Wer lange am Bildschirm sitzt, profitiert zusätzlich von Benetzungstropfen, weil man beim Starren auf Displays seltener blinzelt.

Mit Kindern lohnt sich ein regelmäßiger Augenarztbesuch. Spezielle Linsen und andere Verfahren, die das Fortschreiten der Kurzsichtigkeit bremsen sollen, werden ärztlich oder optisch angepasst. Ob das fürs Kind infrage kommt, klärt man am besten mit dem Augenarzt. Ein einfacher Alltagstipp aus der Studienlage bleibt: Möglichst viel Zeit draußen verbringen, auch im Winter.

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